Christian De Lellis mit erster CD und Release-Party

Christian De Lellis stellt eine erste Platte vor. (Foto: Gregor Woppel)

(Wien, im März 2011) So ist das, wenn Lehrlinge flügge werden. Christian De Lellis ist so ein Fall. Seit 2005 war der Mann mit der Hornbrille Bandbegleiter bei Stermann und Grissemann und für Licht und Ton zuständig. Der 1973 in der Schweiz Gebürtige ging in Pinkafeld zur Hauptschule, maturierte am Gymnasium und studierte am Musik – Konservatorium Vienna. Bis 2003 war er in einer Band Bassist, danach verlegte er sich auf technische Begleitung. 2004 machte er für Christina Stürmers Tour “Wirklich Alles” das Live Recording. Ab 2005 ist er mit “Stermann & Grissemann” als Gestalter für Ton, Licht und Video aktiv am Posten. Mehrere Tourneen etwa “Harte Hasen” (2005-2007) und „Die deutsche Kochschau“ (2007 bis heute) bezeugen die lange Zusammenarbeit.

CD-Projekt seit 2007

Doch schon 2007 spielte er mit dem Gedanken, dass er selbst eine Solokarriere starten könnte. Das Gesangsprojekt “DE LELLIS” sollte zehn Titel umfassen und den Namen “Du bist alles” tragen. Vier Jahre später ist es so weit. Am 15. März 2011 stellt Christian De Lellis seine erste CD vor. Und siehe da: Die Sidebacks sind nun Stermann und Grissemann, die sich wundern, dass ihr technischer Helfer nun selbst ans Rampenlicht will.

Seine CD-Präsentation beginnt um 21 Uhr in der “Local-Bar” in den Stadtbahnbögen (Bogen 217), Heiligenstädterstrasse 31, 1190 Wien. Der Eintritt ist frei.

Nach dem Durchhören der CD kann man den Song “Süsser Honig” hervorheben, der durch Saxphon-Soli kraftvoll anschiebt und durch Chorpassagen einen melodischen Bogen spannt. Die Arrangements im Lied “Sie hat Zeit” haben Rock- und Popelemente. Die Texte bleiben andeutend, ohne komplette Geschichten zu erzählen. Das ist ein Kritikpunkt: Manchmal haben seine Texte um des Reimes willen Ecken, die phrasenhaft wirken.

Wenn es in einem Lied heißt: “Verliert der Engel die Flügel, verliert die Federn, sie verstummen und verfaulen. Verliert die Sehnsucht den Charakter, verliert alles, das ihn treibt”, bleibt eine Frage offen. Wen treibt es? Der Sender des Textes bleibt zu allgemein. Es kommt im Lied nicht heraus. Das Narrative der Texte fehlt in manchen Songs. Sie werden nicht zu Ende erzählt, wollen eine Geschichte erzählen, wirken aber inkomplett. Möglicherweise ist das der Nachteil von Songtexten generell. Wenn sie “nach allen Richtungen” offen bleiben. Doch wenn Deutsch gesungen wird, ist es so, dass man die Texte dann auch deutsch hört. Manche Texte haben Füllwörter, die beim Singen Längen erzeugen (etwa im Song “Neues Spiel”). Hier hätte so mancher Strich mit dem Bleistift dringend Not getan, um den Song innerlicher zu machen, da ihm sonst die Spannung fehlt, die innere Knappheit und Bedrängnis braucht.

Trotzdem: Klanglich entschädigt er mit seiner Band. Er fährt die gesamte Maschine einer kraftvollen Studioband in zehn Liedern hoch: Akkordeon als Stimmungsleitplanken, Akkustik-Gitarren, eingängige Melodien, erhebender Frauenchor, ziehendes Saxophon. Vieles ist drinnen für eine Erstlingsplatte. Christian De Lellis sieht sich in der Tradition des Austropop. Das ist ein hartes Pflaster. Seine Live-Auftritte sollen sehr ambitioniert sein. Produziert hat die Studio-Platte Hartmut Pfannmüller, der schon 80 Goldene Schallplatten auf der Rechnung hat (unter anderem für Fendrich, Ambros und STS).

Marcus J. Oswald (Ressort: Allgemeines, Kultur, Musik)

About these ads

Über wienextra

Autorenschaft, Recherche, Sprechen mit Leuten, Niederschreiben. Das Leben ist Dokumentation von Leben. Der Autor heißt Marcus "John" Oswald, ist nicht verschwägert oder verwandt mit Lee Harvey Oswald.
Dieser Beitrag wurde unter Allgemeines, Kultur, Musik abgelegt und mit , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.